Plattenwerkstoffe im Vergleich

Spanplatte, MDF, Multiplex und OSB im Praxisvergleich.

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Spanplatte, MDF, Multiplex oder OSB: was wofür

Vier Plattenwerkstoffe decken fast alles ab, was im Heimwerkerbereich gebaut wird. Sie unterscheiden sich weniger im Preis als in dem, was sie aushalten — und die falsche Wahl merkt man meist erst nach ein paar Monaten.

Die vier im Überblick

WerkstoffStärkeSchwächeTypischer Einsatz
Spanplatte (P2, beschichtet)günstig, sofort fertige Oberflächefeuchteempfindlich, mäßige TragfähigkeitKorpusse, Regale, Büromöbel
MDFhomogen, perfekt zum Fräsen und Lackierenschwer, sehr feiner Staub, quilltlackierte Fronten, Profile
Multiplexhöchste Festigkeit und Schraubenhaltekraftteuerste VarianteWerkbank, tragende Böden, sichtbare Kanten
OSB-3feuchtebeständig, günstiggrobe Optik, unebene OberflächeUnterböden, Beplankung, Werkstatt

Spanplatte

Der Standard im Möbelbau, meist als melaminbeschichtete Dekorspanplatte. Die Oberfläche ist fertig, du musst nur noch die Schmalseiten bekanten. Für Schränke, Sideboards und Regale ist beschichtete Spanplatte in 18 oder 19 mm fast immer die wirtschaftlich richtige Wahl.

Die Grenzen liegen bei Feuchtigkeit und Last. Kommt Wasser ins Spiel, quillt die Platte irreversibel auf und verliert dauerhaft an Festigkeit; die Quellung in der Dicke kann 12 bis 18 Prozent erreichen. Im Bad oder unter der Spüle hat die klassische P2-Platte nichts verloren. Es gibt feuchtebeständige Varianten (P3, P5), die im normalen Möbelbau aber selten verbaut und im Handel weniger verbreitet sind.

Bei der Tragfähigkeit gilt: Regalböden über etwa 80 cm freier Spannweite biegen sich unter Bücherlast sichtbar durch. Auch die Schraubenhaltekraft in der Schmalseite ist begrenzt, Korpusverbindungen brauchen deshalb Verbinder oder Holzdübel.

MDF

MDF besteht aus fein zerfasertem Holz und ist völlig homogen, ohne Faserrichtung. Deshalb werden gefräste Kanten genauso glatt wie die Fläche — für Profilfräsungen und lackierte Fronten ist das kaum zu schlagen.

Zwei Nachteile solltest du kennen. Eine 19-mm-Platte ist bei gleichem Format schwerer als Spanplatte, und der Staub beim Fräsen und Schleifen ist sehr fein — Absaugung und Feinstaubmaske sind Pflicht. Im Feuchtraum nur die MR-Qualität verwenden.

Multiplex

Kreuzweise verleimte Furnierlagen, meist Birke. Die Kreuzverleimung macht die Platte in alle Richtungen stabil und sehr formstabil, sie verzieht sich kaum. Die Biegefestigkeit liegt bei rund 70 bis 85 N/mm², die Schraubenhaltekraft ist exzellent.

Für tragende Regalböden ist Multiplex die erste Wahl — ein 18-mm-Boden hält bei 80 cm Spannweite deutlich mehr als MDF oder Spanplatte gleicher Stärke. Dazu kommt die dekorative Schichtkante, die viele bewusst sichtbar lassen. Bei Feucht- und Außenanwendungen ist Multiplex mit der üblichen Verleimung geeignet, sofern die Schnittkanten geschützt werden.

OSB

Grobe, ausgerichtete Späne — im Bau der Standard, im Möbelbau eher Geschmackssache. OSB-3 ist nach EN 300 ausdrücklich für den Feuchtbereich klassifiziert und hält zeitweise Befeuchtung aus, wie sie auf einer Baustelle vorkommt; nach dem Trocknen behält die Platte Form und Festigkeit weitgehend. Das ist der wesentliche Unterschied zur Spanplatte.

Welche Stärke?

Für Korpusseiten sind 18 oder 19 mm der Standard — darauf sind Topfbänder, Verbinder und Holzdübel ausgelegt. Wer auf 16 mm ausweicht, spart wenig Geld, riskiert aber Probleme mit Standardbeschlägen: Deren Bohrtiefe liegt meist bei 11,5 bis 12,5 mm, bei 16 mm Plattenstärke bleiben dann nur noch rund 3,5 mm Material hinter dem Beschlag.

Gängige Lieferstärken: Spanplatte für den Möbelbau in 8, 10, 12, 16, 18, 19, 22, 25, 28 und 38 mm, OSB-3 in 8, 10, 12, 15, 18, 22 und 25 mm. Multiplex reicht von 4 mm bis 40 mm in vielen Zwischenstufen.

Was das für den Zuschnitt bedeutet

Maserung und Dekorrichtung

MDF und OSB haben keine Richtung, die Teile lassen sich beliebig drehen. Bei furnierten Platten und Holzdekoren auf Spanplatte ist das anders — dort läuft die Maserung sonst quer. Im Plattenzuschnitt steuerst du das über das Häkchen in der Spalte ↻. Erlaubst du das Drehen, spart der Plan oft eine ganze Platte; bei Sichtflächen darfst du es nicht.

Sägeblatt

Beschichtete Platten brauchen ein feinzahniges Blatt, sonst reißt die Melaminschicht an der Austrittsseite aus. Bei rohem MDF und OSB ist das unkritischer. Details im Ratgeber zum Sägeblatt.

Kanten

Beschichtete Spanplatte braucht an sichtbaren Schmalseiten einen Umleimer, MDF muss vor dem Lackieren an der Kante grundiert werden, weil sie stark saugt. Multiplex kann man roh lassen. Mehr dazu im Ratgeber zum Kantenanleimen.

Häufige Fragen

Was nehme ich für einen Kleiderschrank?

Beschichtete Spanplatte 18 oder 19 mm für den Korpus. Bei Böden über 80 cm Breite entweder eine Mittelstütze einplanen oder auf Multiplex wechseln.

Und für eine Werkbank?

Multiplex, mindestens 27 mm, gern auch zwei Lagen 18 mm verleimt. Alles andere gibt unter Belastung nach.

Was ist im Bad zulässig?

Klassische Spanplatte nicht. MDF in MR-Qualität oder Multiplex mit geschützten Kanten sind die üblichen Wege. Wichtig sind in jedem Fall versiegelte Schnittkanten, denn dort dringt Feuchtigkeit zuerst ein.

Kann ich verschiedene Werkstoffe in einem Zuschnittplan mischen?

Nein. Der Rechner kennt nur Maße, nicht Materialien. Plane je Werkstoff und je Plattenstärke einen eigenen Durchgang.

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